Longevity, Prävention, Lebensstilmedizin – und was dabei fehlt

Erich Wühr

27. September 2026

Stimmen Sie meiner Antwort auf die Frage „Was ist ein gelingendes Leben?“ zu? Meine Antwort beinhaltet zwei Aspekte: „Lange und gesund leben“ bedeutet, das Leben mit gesunden Jahren zu füllen.…

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Stimmen Sie meiner Antwort auf die Frage „Was ist ein gelingendes Leben?“ zu? Meine Antwort beinhaltet zwei Aspekte: „Lange und gesund leben“ bedeutet, das Leben mit gesunden Jahren zu füllen. Und „bei bestmöglicher Lebensqualität“ bedeutet, die Jahre mit Leben zu füllen — und zwar mit Sinn zu erfüllen; anders gesagt: dem eigenen Lebens Sinn und Bedeutung geben. Dieser Beitrag nimmt sich den ersten Aspekt vor: die Begriffe und Praktiken, mit denen heute über ein langes und gesundes Leben gesprochen wird. Dem zweiten Aspekt gehen wir in weiteren Beiträgen nach.

Wie ein Leben in diesem Sinne gelingen kann, beschäftigt die Menschheit seit eh und je. Ich habe den Eindruck: Heutzutage mehr denn je. Die Schlagwörter und Praktiken, die ich immer wieder lese und von denen ich immer wieder höre, sind

  • „Longevity“ — also Praktiken der Langlebigkeit bzw. des gesunden Alterns,
  • „Anti-Aging“ — also Praktiken, die das Altern bremsen und teilweise sogar rückgängig machen sollen,
  • „Prävention“ — also Praktiken zur Vermeidung und Früherkennung von Krankheiten sowie der angemessene Umgang mit Krankheiten,
  • „Gesundheitsförderung“ — also Praktiken, die Form und Funktion unseres Organismus stärken und ihn widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten machen,
  • „Individuelles Gesundheitsmanagement“ — also die eigenverantwortliche und systematische Umsetzung von Praktiken der Prävention und Gesundheitsförderung durch einen einzelnen Menschen,
  • „Lebensstilmedizin“ — also diagnostische und therapeutische Praktiken zur Vermeidung und Behandlung von so genannten Lebensstilerkrankungen.

In diesem Artikel möchte ich diese Begriffe und Praktiken genauer bestimmen und aus der Perspektive eines Lebensstil- und Gesundheitscoaches näher betrachten.

Das Wichtigste in Kürze

Sechs Begriffe prägen die Debatte um ein langes, gesundes Leben: Longevity, Anti-Aging, Prävention, Gesundheitsförderung, Individuelles Gesundheitsmanagement und Lebensstilmedizin. Dieser Beitrag bestimmt jeden von ihnen und ordnet ihn aus meiner Sicht eines Lebensstil- und Gesundheitscoachs ein.

Longevity zielt auf die gesunden Lebensjahre — die Health Span, also die Zeitspanne ohne wesentliche gesundheitliche Einschränkung. Anti-Aging zielt auf die Zeichen des Alterns. Prävention vermeidet Krankheit, erkennt sie früh und geht mit ihr um. Gesundheitsförderung stärkt Form und Funktion des Organismus. Individuelles Gesundheitsmanagement setzt beides eigenverantwortlich um. Lebensstilmedizin behandelt die Erkrankungen, die aus Lebensstilfehlern entstehen.

Drei Übersichten nennen die wichtigsten Lebensstilfehler, die Bereiche gesundheitsförderlichen Verhaltens und gesundheitsförderlicher Lebensbedingungen sowie die häufigsten Lebensstilerkrankungen in Deutschland.

Die Einordnung des Autors: Alle sechs Begriffe zielen auf Gesundheit im Sinne körperlicher Unversehrtheit. Das ist berechtigt — und es genügt nicht. Ein Leben gelingt erst dann umfassend, wenn zu den gesunden Jahren die Sinnerfüllung hinzukommt.

Was bedeutet „Longevity“?

Longevity — also Langlebigkeit — bezeichnet das Bestreben und die Praktiken, die gesunden Lebensjahre eines Menschen zu verlängern, also nicht nur die Lebensdauer, sondern die Zeitspanne, in der ein Mensch ohne gesundheitliche Einschränkungen lebt (= Health Span).

In der „Longevity-Szene“ findet man das breite Spektrum von ernstzunehmenden wissenschaftlichen Studien und Erkenntnissen bis hin zu vollmundigen und teilweise unseriösen Aussagen in den Hochglanzprospekten von kommerziellen Anbietern.

Die biologischen Grundlagen der aktuellen Longevity-Forschung sind ausführlich in dem Artikel von López-Otín et al. (2023) zusammengefasst [López-Otín C, Blasco MA, Partridge L, Serrano M, Kroemer G. Hallmarks of aging: An expanding universe. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36599349/]. Der Artikel liefert das zentrale wissenschaftliche Gerüst, um Interventionen zur Verlängerung der Health Span zu begründen und einzuordnen.

Ebenso wissenschaftlich fundiert schlägt der Artikel von Lyu et al. (2024) die Brücke zwischen der biologischen Grundlagenforschung und konkreten klinischen Anwendungen [Lyu Yu-Xuan et al. Longevity biotechnology: bridging AI, biomarkers, geroscience and clinical applications for healthy longevity. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39418098/].

Außerhalb dieser und weiterer seriöser Longevity-Forschung kann man aktuell von einer „Longevity-Industrie“ sprechen, die von Longevity-Hotels und Präventionskliniken bis hin zu teuren Ganzkörper-MRTs, Nahrungsergänzungs- und Anti-Aging-Medikamenten reicht. Und alle wollen das starke Bedürfnis von Menschen nach einem langen und gesunden Leben befriedigen oder „spielen“ mit der Angst von Menschen vor Krankheit und Pflegebedürftigkeit im Alter.

Von welchem Gesundheitsbegriff geht Longevity aus?

Aus meiner Sicht als Lebensstil- und Gesundheitscoach drängt sich bei Longevity eine ganz andere Frage auf: Von welchem Gesundheitsbegriff geht dieses Feld eigentlich aus? Ist das Fehlen von Krankheit gemeint? Die Freiheit von Symptomen und Beschwerden? Die körperliche Unversehrtheit?

Oder müsste es eigentlich um mehr gehen? Um bestmögliche Lebensqualität im Sinne eines erfüllten Lebens? Und was bedeutet ein erfülltes Leben? Meiner Meinung nach muss ein wirksames Lebensstil- und Gesundheitscoaching genau diese Fragen beantworten und damit über die Konzepte und Praktiken der aktuellen Longevity-Szene (weit) hinausgehen. Allein das Leben mit Jahren zu füllen, genügt nicht — auch wenn es Jahre ohne Symptome und Beschwerden sind. Da geht noch mehr. Nämlich: Die Jahre mit Sinn erfüllen.

Was bedeutet „Anti-Aging“?

Unter dem Begriff Anti-Aging können wir Bestrebungen und Praktiken zusammenfassen, die die Symptome, Beschwerden und Befunde des Alterungsprozesses aufhalten und sogar rückgängig machen sollen. Dabei geht es oft nur um die sichtbaren Zeichen des Alterns, die mit kosmetischen Maßnahmen beseitigt werden. In Abgrenzung zur Longevity-Forschung können wir bei Anti-Aging eher von einer symptom- und befundorientierten Perspektive auf das Phänomen „Altern“ sprechen.

Welche Rolle spielt Anti-Aging im Gesundheitscoaching?

In unserem Lebensstil- und Gesundheitscoaching spielt die symptom- und befundorientierte Anti-Aging-Perspektive keine Rolle.

Was bedeutet „Prävention“?

Unter dem Begriff „Prävention“ fassen wir alle Bestrebungen und Praktiken zusammen, die krankheitsverursachendes Verhalten — vor allem Lebensstilfehler — vermeiden (= primäre Prävention), Krankheiten früh erkennen (= sekundäre Prävention) und mit Krankheit angemessen umgehen (= tertiäre Prävention). Präventive Maßnahmen bzw. Aktivitäten betreffen aber nicht nur das Verhalten von Menschen (= Verhaltensprävention), sondern auch deren soziale und ökologische Lebensbedingungen (= Verhältnisprävention).

Die folgende Übersicht nennt die wichtigsten vermeidbaren Lebensstilfehler und Risikofaktoren:

  • Tabak- und Nikotinkonsum
  • Problematischer Alkoholkonsum
  • Ernährungsfehler
  • Unzureichende Bewegung
  • Ausgeprägtes und langes Sitzen
  • Chronischer Schlafmangel und zirkadiane Störung (gestörter Tag-Nacht-Rhythmus)
  • Chronische psychosoziale Belastung
  • Unangemessenes Stress-Verhalten
  • Unzureichende sekundäre und tertiäre Prävention (eigenverantwortliches Vorsorge- und Krankheitsmanagement)
  • Ungünstige Mundgesundheits- und Hygieneroutinen
  • UV-Risikoverhalten
  • Riskanter Umgang mit Arznei- und anderen Substanzen

Übersicht: Die wichtigsten Lebensstilfehler und ihre möglichen Folgen [Daten der Weltgesundheitsorganisation https://www.who.int/data/gho/data/themes/topics/noncommunicable-diseases-risk-factors; zusammengestellt mit Perplexity.ai; fachlich geprüft und bearbeitet vom Autor]

Was bedeutet „Gesundheitsförderung“?

Unter dem Begriff „Gesundheitsförderung“ fassen wir alle Bestrebungen und Praktiken zusammen, die Form und Funktion eines menschlichen Organismus stärken und ihn widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten machen. Gesundheitsfördernde Maßnahmen und Aktivitäten betreffen aber nicht nur das Verhalten von Menschen, sondern auch deren soziale und ökologische Lebensbedingungen.

Die folgende Übersicht nennt wichtige Bereiche, in denen gesundheitsförderliche Verhaltensweisen und gesundheitsförderliche Lebensbedingungen wirken:

  • Ernährung
  • Körperliche Aktivität
  • Tabak- und Nikotinverzicht
  • Alkohol und andere Substanzen
  • Schlaf und Regeneration
  • Psychische Gesundheit und Stresskompetenz
  • Soziale Beziehungen und Teilhabe
  • Gesundheitskompetenz und Selbstmanagement
  • Sicheres, gesundes Arbeiten
  • Prävention und Früherkennung
  • Gesunde Umwelt und Wohnumfeld sowie Hygiene

Übersicht: Gesundheitsförderliche Verhaltensweisen und Lebensbedingungen [Daten der Weltgesundheitsorganisation https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/self-care-health-interventions, des Bundesgesundheitsministeriums https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Praevention/Broschueren/2016_BMG_Praevention_Ratgeber_web.pdf und des Robert-Koch-Instituts https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/G/Gesundheitsverhalten/gesundheitsverhalten-node.html; zusammengestellt mit Perplexity.ai; fachlich geprüft und bearbeitet vom Autor]

Wie hängen Therapie, Prävention und Gesundheitsförderung zusammen?

Gesundheit und Krankheit sind in unserem Lebensstil- und Gesundheitscoaching nicht zwei gegensätzliche Seiten einer Medaille, sondern ein Kontinuum zwischen zwei Polen: Gesundheit als Zustand bestmöglicher Form und Funktion eines menschlichen Organismus. Diesen Zustand erlebt ein Mensch als bestmögliche Lebensqualität und bestmögliches Wohlbefinden. Und Krankheit als der Gegenpol, den ein betroffener Mensch mehr oder weniger als belastend und schmerzhaft erlebt.

Abbildung: Das Kontinuum von Gesundheit und Krankheit. Quelle: https://yangsheng-gesund-leben.de/icm-yangsheng-coach-ausbildung/

In diesem Kontinuum können wir die Begriffe „Therapie“, „Prävention“ und „Gesundheitsförderung“ als Vektoren darstellen — als Pfeile mit einer Richtung und einer Reichweite.

  • Therapie wird bei Krankheit eingesetzt mit dem Ziel der Symptomfreiheit. In diesem Sinne reicht der „Therapie-Vektor“ ein Stück weit weg vom „Krankheitspol“.
  • Ebenso weit reicht der „Präventions-Vektor“.
  • Aber nur der Vektor „Gesundheitsförderung“ reicht bis ganz „nach oben“ zur bestmöglichen Lebensqualität und zum bestmöglichen Wohlbefinden.

In unserem Lebensstil- und Gesundheitscoaching gehen wir davon aus, dass der Gesundheitspol dieses Kontinuums weiter reicht, als der übliche Sprachgebrauch von „Gesundheit als die Abwesenheit von Krankheit“ vermuten lässt: Zu unserem Organismus gehört unser Gehirn, und zu den Funktionen des Endhirns — des stammesgeschichtlich jüngsten Teils unseres Gehirns — gehören absichtsvolles und willentliches Wahrnehmen, Denken, Entscheiden und Handeln. Diese Funktionen ermöglichen uns, dem eigenen Leben bewusst Sinn und Bedeutung zu geben und es danach zu gestalten.

Wer Gesundheit als bestmögliche Form und Funktion des Organismus versteht, muss diese Endhirnfunktion „das Leben bewusst mit Sinn zu erfüllen“ einschließen. So gesehen ist Sinnerfüllung kein Zusatz, sondern ein wesentlicher Teil von Gesundheit. In unserem Lebensstil- und Gesundheitscoaching erweitern wir also den überlieferten Gesundheitsbegriff vom Fehlen von Krankheit auf die Ebene der bestmöglichen Lebensqualität durch Sinnverwirklichung.

In diesem Sinne sind Prävention und Gesundheitsförderung die grundlegenden Themen eines wirksamen Lebensstil- und Gesundheitscoachings.

Was bedeutet „Individuelles Gesundheitsmanagement“?

„Individuelles Gesundheitsmanagement“ geht von der grundlegenden Annahme aus, dass ein einzelner Mensch (Individuum) weitgehend selbst für seine präventiven und gesundheitsförderlichen Lebensbedingungen und Verhaltensweisen verantwortlich ist — nicht hundertprozentig, denn natürlich gibt es unabdingbare Lebensbedingungen und schicksalhafte Krankheiten.

Was der einzelne Mensch braucht, um Prävention und Gesundheitsförderung in diesem Sinne eigenverantwortlich und systematisch umzusetzen, ist Gesundheitsbildung. Er braucht

  • Gesundheits- und Krankheitswissen,
  • Gesundheitsfähigkeiten (Selbsthilfetechniken und Praktiken eines gesundheitsfördernden und krankheitsvermeidenden Lebensstils) und vor allem
  • gesundheitsfördernde Einstellungen (Englisch: Mindsets) — also eine Geisteshaltung, die gesundheitsförderlich wirkt.

Diese Gesundheitskompetenzen (Englisch „Health Literacy“) befähigen einen Menschen, seine Lebensbedingungen und sein Verhalten eigenverantwortlich und selbstbestimmt gesundheitsförderlich und krankheitsvermeidend zu handhaben (Englisch „managing“).

Was leistet ein Coach im individuellen Gesundheitsmanagement?

In unserem Lebensstil- und Gesundheitscoaching ist es die Aufgabe eines Coachs, seinen Klientinnen im Sinne einer Gesundheitsberatung Gesundheitswissen und Gesundheitsfähigkeiten beizubringen und ihnen gesundheitsfördernde Einstellungen zu vermitteln. Darüber hinaus unterstützt und begleitet der Coach seine Klientinnen bei der Umsetzung in ihren Alltag. Gemeinsames Ziel ist die Autonomie der Klientinnen: Dieses Ziel ist erreicht, wenn sie unabhängig vom Coach und routinemäßig einen gesundheitsfördernden und krankheitsvermeidenden Lebensstil in ihrem Alltag pflegen und entwickeln.

Was bedeutet „Lebensstilmedizin“?

Die „Lebensstilmedizin“ ist ein junges, sich gerade entwickelndes Fachgebiet der Medizin, das sich mit der evidenzbasierten Prävention, Diagnostik und Therapie von Lebensstilerkrankungen beschäftigt — also vor allem mit nicht übertragbaren, chronischen Erkrankungen, die durch Lebensstilfehler der betroffenen Patienten und deren belastende Lebensbedingungen verursacht werden.

Die folgende Übersicht listet die wichtigsten Lebensstilerkrankungen in Deutschland. Prävalenzdaten — also Angaben dazu, wie verbreitet eine Erkrankung ist — veröffentlicht das Robert-Koch-Institut; Mortalitäts-, Krankenhaus- und Kostendaten liefert das Statistische Bundesamt.

  • Adipositas
  • Übergewicht inklusive Adipositas
  • Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Koronare Herzkrankheit und akuter Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Schlaganfall / Hirninfarkt
  • Bösartige Neubildungen (Krebs)

Übersicht: Lebensstilerkrankungen in Deutschland [Prävalenzdaten des Robert-Koch-Instituts https://www.gbe.rki.de/DE/Startseite/startseite_node.html; Mortalitätsdaten https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/_inhalt.html sowie Krankenhaus- und Kostendaten https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Krankheitskosten/_inhalt.html des Statistischen Bundesamtes; erstellt mit Perplexity.ai; fachlich geprüft und bearbeitet vom Autor]

Was fehlt der Lebensstilmedizin?

Lebensstilerkrankungen sind unserer Ansicht nach wesentlich für die strukturellen und finanziellen Probleme im deutschen Gesundheitssystem mitverantwortlich. Das liegt vor allem daran, dass die bewährten diagnostischen und therapeutischen Methoden der Akut-Medizin bei Lebensstilerkrankungen nur symptomatisch und vorübergehend wirken können. Diese Erkrankungen können nur wirksam gelindert werden, wenn die betroffenen Patientinnen ihren Lebensstil verbessern – also ihr Verhalten und ihre Lebensbedingungen.

So ist zum Beispiel bei einem Teil der Patienten mit frühem Typ-2-Diabetes sogar eine Remission möglich, also ein Nachlassen der Krankheitszeichen https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12635883/.

Aus der Sicht unseres Lebensstil- und Gesundheitscoachings darf sich die Lebensstilmedizin nicht in diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen erschöpfen, sondern muss die Lebensstilverbesserung der Patientinnen nicht nur fördern, sondern sogar fordern: Reine „Fremdinitiative“ durch Ärztinnen und Therapeuten kann nur symptomatisch wirken. Nur die „Eigeninitiative“ der Patientinnen im Sinne einer eigenverantwortlichen Lebensstilverbesserung kann nachhaltig wirken. Dies nennen wir in unserem Lebensstil- und Gesundheitscoaching „Individuelles Gesundheitsmanagement“ – ein Individuum handhabt seine Gesundheit eigenverantwortlich.

Was folgt aus alldem?

Wir Menschen haben das berechtigte Bedürfnis, möglichst lange und gesund zu leben bei bestmöglicher Lebensqualität. Dieses grundlegende Bedürfnis gliedert sich eigentlich in zwei sich ergänzende Bedürfnisse: das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit und dem Fehlen von Krankheit sowie das Bedürfnis nach Sinnerfüllung — nach „wahrem Glück“.

Die sechs Konzepte dieses Beitrags beschäftigen sich vor allem und nahezu ausschließlich mit dem Ziel „Gesundheit“ im Sinne der körperlichen Unversehrtheit und dem Fehlen von Krankheit. Unser Lebensstil- und Gesundheitscoaching tut dies auch. Aber wir wollen weiter gehen: Wir wollen unseren Klientinnen Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen vermitteln, mit denen sie ihr Leben sinnerfüllt gestalten und führen können.

Aus diesem Anspruch ergeben sich weitere Fragen: Was ist ein sinnerfülltes Leben? Warum ist ein sinnerfülltes Leben ein wichtiges Ziel? Woran erkennen wir ein sinnerfülltes Leben? Was müssen wir tun, um unser Leben mit Sinn zu erfüllen?

Und für Coaches: Wie gestalten wir ein Lebensstil- und Gesundheitscoaching, um unsere Klientinnen zu einer sinnerfüllenden Lebensführung zu befähigen?

Diesen Fragen gehen weitere Beiträge nach.

Häufige Fragen

Ist Longevity dasselbe wie Anti-Aging?

Nein. Longevity zielt auf die Health Span — die Zeitspanne, in der ein Mensch ohne gesundheitliche Einschränkungen lebt — und arbeitet an den biologischen Grundlagen des Alterns. Anti-Aging zielt auf die Symptome, Beschwerden und Befunde des Alterungsprozesses, oft auf seine sichtbaren Zeichen. Longevity ist damit ursachenorientiert, Anti-Aging symptom- und befundorientiert.

Kann ich meinen Lebensstil allein verbessern oder brauche ich Begleitung?

Beides ist möglich. Wer Gesundheits- und Krankheitswissen, Gesundheitsfähigkeiten und gesundheitsfördernde Einstellungen mitbringt, kann seinen Lebensstil eigenverantwortlich gesundheitsfördernd und krankheitsvermeidend gestalten. Ein Lebensstil- und Gesundheitscoach vermittelt genau diese drei Kompetenzen und begleitet die Umsetzung im Alltag. Das gemeinsame Ziel ist die Autonomie: Sie ist erreicht, wenn jemand unabhängig vom Coach einen gesundheitsfördernden und krankheitsvermeidenden Lebensstil pflegt und entwickelt.

Ersetzt ein Gesundheitscoaching die ärztliche Behandlung?

Nein. Ein Lebensstil- und Gesundheitscoaching ist ein Bildungsangebot: Es vermittelt Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen und begleitet deren Umsetzung im Alltag. Es stellt keine Diagnosen, es behandelt nicht und es ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Behandlung. Wo eine Erkrankung vorliegt oder vermutet wird, gehört die Abklärung in ärztliche Hände.

Achtung: Suchen Sie unbedingt Ihren Arzt auf, wenn Sie Symptome haben.

Autor

Dr. med. dent. Erich Wühr,
Honorarprofessor für das Lehrgebiet Gesundheitsförderung und Prävention am Kompetenzzentrum für Lebensstilmedizin und Naturheilverfahren der Technischen Hochschule Deggendorf in Bad Kötzting (IGM-Präventionszentrum SINOCUR), www.kokonat.eu, erich.wuehr@th-deg.de.

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